Wohn- und Geschäftshaus Jung & Bridler

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Auftrag: Planung, Ausführung, Bauleitung 100% Teilleistung

Bausumme: CHF 1.5 Mio

Bauherrschaft: Toros Immobilien AG

Objektadresse: Paulstrasse 5, Winterthur

Bilder: Christian Schwager, Winterthur

Text: Miguel Garcia, Historiker Journalist Stadtführer, Winterthur

Die bedeutenden Winterthurer Architekten Ernst Jung und Otto Bridler erstellten 1899 das Wohn- und Geschäftshaus für die Merceriewarenhandlung Dändliker & Cie. Als eines der letzten Bauten einer ersten Bebauungsphase auf der seit 1860 überbauten freien Wiese hinter dem Bahnhof bildet es das baukünstlerisch wertvollste und architektonisch herausragendste Gebäude an der Paulstrasse. Der für Jung & Bridler typische Sichtbacksteinbau weist repräsentative Stilelemente von deren Villen auf. Im Werk der Architekten nimmt die Paulstrasse 5 als einziges Wohn- und Geschäftshaus neben der Stadthausstrasse 12 und der Rudolfstrasse 1 eine Stellung mit einem gewissen bautypologischen Seltenheitswert ein. Herzstück des Baus bildet das Treppenhaus mit den farbigen Jugendstilfenstern, die mit ihren Motiven aus der Stofffabrikation auf den Ersteller verweisen.

Mit relativ wenigen und zurückhaltenden Veränderungen verfügt das Gebäude über einen ausserordentlich hohen Anteil an bauzeitlicher Substanz. Zwischenzeitliche Umbauten in den beiden Obergeschossen wurden im Zuge der neusten Renovation sorgfältig rückgebaut und das Treppenhaus aufgefrischt.

Das zu einer Wohnung ausgebaute Dachgeschoss wird geprägt durch eine vollständig erhaltene Zimmermannskonstruktion des Dachstuhls. Während das strassenseitige Erscheinungsbild mit den erneuerten Dreiecksfenstern erhalten wurde, lassen neue grosszügige Dachfenster auf der Hofseite mehr Licht ins Innere des loftartigen Dachraumes und bieten Aussicht auf das Sulzerhochhaus. Als neue Erschliessung windet sich eine leicht und zurückhaltend konstruierte Stahltreppe über der bestehenden steinernen Treppe ins Dachgeschoss. Auf die renovierte Terrasse gelangt man über eine möbelartige Treppe in einen reduzierten Glaskubus als Dachausstieg, der den Blick auf das originale, aufwändig und filigran gearbeitete schmiedeiserne und behutsam restaurierte Geländer lenkt.

Um den Bezug zum Schloss Wart in Neftenbach derselben Architekten herzustellen, wurde das teilweise asbesthaltige Eternitdach durch Naturschiefer ersetzt. Auch die Klinker-Fassade mit den Naturstein-Zierelementen erhielt eine Auffrischung, so dass das denkmalpflegerische Schutzobjekt wieder hervorsticht zwischen den grossvolumigen Bürobauten, die in den letzten Jahrzehnten entstanden und den Quartiercharakter veränderten.